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17. August 2010

Herr Krauß und sein Gespür für Wein

Manchmal ist der Weg, auf dem Weine zu uns finden, durchaus kurios. Oder sagen wir lieber ungewöhnlich. Bei Lukas Krauß, der den "sozialen Medien" mehr als aufgeschlossen ist, war es eine forsche Anfrage via Facebook. Kurz und knapp die Frage, ob wir nicht einmal seine Weine probieren möchten - ganz unverbindlich versteht sich. Nun, wie Sie unten weiter lesen können, haben wir Lukas’ Weine probiert, für gut befunden und uns ins Regal gestellt. Wieder einmal hat uns ein Wein gefunden und nicht umgekehrt - genauso wie es schon bei "Parfum der Erde" der Fall war.

Wenn einer erst 22 Jahre alt ist, wie Lukas, dann darf man ihn mit Fug und Recht als Jungspund bezeichnen. Besonders dann, wenn er sich in einem Business bewegt, in dem man eigentlich mit 35 Jahren noch als „Nachwuchs“ gilt. Sei’s drum. Lukas Krauß macht sich Gedanken. Über seine Weinberge, seinen Wein, seine Etiketten, sein Marketing. Er denkt ganzheitlich. Und das Ergebnis spricht für ihn und seine Produkte.

Chapeau Krauß
Wie das geht? Zufall ist es jedenfalls nicht. Lukas Krauß hat sein Handwerk bei Martin Franzen gelernt, dem derzeitigen Weingutsverwalter von Müller-Catoir. Von ihm hat er den Ansatz übernommen, mit viel Fleiß und Geduld das Beste aus seinen Reben zu machen, statt den Wein erst im Keller veredeln zu wollen. Er verbringt viel Zeit draußen, beobachtet das Wachstum seiner Pflanzen und bringt mit präzisem Laubschnitt, sorgfältiger Bodenbearbeitung und Handlese zur Geltung, was seine Lößböden leisten können.


Mit seinem „Chapeau Krauß“ hat er auf jeden Fall bisher bei uns einen guten Start hingelegt! Scheurebe, Riesling, Müller Thurgau finden sich in dieser tollen, sommerlichen Weißweincuvée wieder. Die Säure ist harmlos, ganz im Gegensatz zur Frucht, die der Wein dem Müller-Thurgau zu verdanken hat. Der Riesling sorgt darüber hinaus für ein bisschen Pepp, so wie die Scheurebe für den herrlichen Duft in der Nase verantwortlich ist. Ein erfrischender Tropfen, der Sie sicherlich sehr gerne auch noch bis weit über den Herbst hinaus begleiten wird.     


Hut abm Herr Krauß!

Wer es nicht erwarten kann, das Schätzchen ins Glas zu bekommen, kann sich die ein oder andere Flasche ganz bequem im Internet in unserem Online-Shop bestellen...

Weingut Krauß
"Chapeau Krauß"
QbA trocken 2009
Pfalz, Deutschland                   
Euro 5,95 je 0,75l (1l=€7,93) inkl. MwSt.



Foto: Andreas Durst

13. April 2010

Von Rotwild, Pinot und einer aufgeräumten Hexenküche | Reise Review 3

Samstag, 13. März 2010 - endlich Sonne! Auf, auf nach Baden, genauer gesagt in den Kraichgau nach Bruchsal. Wer hätte gedacht, dass Bruchsal so viel zu bieten hat. Unter anderem findet man hier eines der schönsten Barockschlösser Deutschlands. Leider war die Zeit aber zu knapp, um eine ausgiebige Sightseeing-Tour zu machen.... Deshalb gleich zum Weingut Klumpp, das am Stadtrand von Bruchsal liegt.



Freundlich von "Patronin" Marietta Klumpp, die an diesem Tag dank ausgeflogenem Ehemann und Söhnen die "Alleinherrschaft" über Hof und Keller hatte, empfangen, stürzten wir uns gleich in die umfangreiche Weinprobe. Endlich konnten wir den neuen Jahrgang 2009 verkosten, denn im Laden waren wir schon seit Wochen klumpptechnisch trocken gefallen.

Manchmal entdeckt man dann sogar bei seinem Winzer, von dem man dachte, man kennt das Sortiment, doch noch eine Überraschung. So auch bei Klumpp. Irgendwie war uns die Existenz von "ROT WILD" wohl bisher entgangen.

ROT WILD

Dieser Perlwein ist genau das Richtige für heiße Sommertage. Dahinter verbirgt sich eine Weißweincuvée, die außerdem mit Johannisbeersaft "angereichert" ist und somit mehr einem spritzigen, leicht säuerlichen Erfrischungsgetränk gleicht, dem man die nur 7% Alkohol sowieso nicht anmerkt, geschweige denn, dass man diese schmeckt. Ein herrlicher Aperitif oder Begleiter durch einen lauen Sommerabend.

Auch ansonsten präsentierte sich der neue Jahrgang mehr als positiv im Glas. Alle Weine haben eine feine Säurestruktur abbekommen, ohne dass die Frucht darunter leidet! Insbesondere der Riesling ist eleganter denn je. Dank der Gastgeberin, wie sie übrigens im Buche steht, konnte uns die nicht enden wollende Verkostungsreihe auch nichts anhaben. So schnell habe ich noch nie eine köstliche Brotzeit auf den Tisch fliegen sehen. Danke, Marietta!
Frisch gestärkt konnten wir dann also die Kellerführung angehen. Begleitet von Familienneumitglied Schäferhund "Pinot", der ganze stolz der Familie,

Klumpp-Hund "Pinot"

ging es los. Zugegebenermaßen ähneln sich die Keller der deutschen Winzer sehr - zumindest wenn erst neuerlich modernisiert wurde oder der Betrieb noch verhältnismäßig jung ist, wie im Falle Klumpp.

Markus Klumpps "Hexenküche" - alles für die Weinanalyse

Marietta Klumpp & Felix Jaeger

Teil von Klumpps Barriquelager

Nach diesem letzten Rundgang auf badischen Boden und guten vier Stunden Aufenthalt im Kraichgau, wurde es dann auch langsam Zeit für uns nach Frankreich zu schielen. Denn es sollte noch am gleichen Tag heißen: Elsass, wir kommen!


Fotos: Weinlounge Hamburg

2. April 2010

Da, wo die Funklöcher am größten sind | Reise Review 2

Vom Rheinhessischen ging es am frühen Freitagmorgen des 12. März 2010 weiter Richtung Pfalz und damit auch Richtung "größtes zusammenhängendes Funkloch" unserer Reise. Genauer gesagt aber fuhren wir nach Deidesheim. Kleine Stadt im Herzen der Pfalz, die bei gutem Wetter, sommerlichen Temperaturen und vielen Touristen sicherlich ihren ganz eigenen Charme hat und einen Besuch wert ist. Gut, an einem kalten, grauen, verregneten Vormittag ist der Besuch von Deidesheim nicht wirklich empfehlenswert.


Zur Verdeutlichung mal ein paar Öffnungszeiten: Café "Central" ab 14.00 Uhr, Filmmuseum (nur Mittwoch bis Sonntag) ab 14.00 Uhr, Museum für Weinkultur (ebenfalls nur Mittwoch bis Sonntag) ab 15.00 Uhr, Weinbar Krack ab 14.00 Uhr und und und..... Wir hätten zum Mittagessen vielleicht den Deidesheimer Hof wählen können. Da wir uns aber ausgerechnet an diesem Tag nicht wie 65 Jahre alt gefühlt haben, haben wir mal darauf verzichtet.
Highlight blieb somit die durchgängig geöffnete (!) Schlecker-Filiale, um uns mit Getränken zu versorgen.

Also, auf gen ersten Termin des Tages: Verkostung bei Müller-Catoir in Neustadt-Haardt. Vorher noch ein ambitioniertes, aber am Ende doch eher bodenständiges Mittagessen im einzigen Restaurant des Ortes, dem "Mandelhof", der sich selber als Restaurant, Hotel und Kunstgalerie versteht. Nun denn, mit Grundlage im Magen also ins Müller-Catoir'sche Anwesen,





um im Verkostungsraum mit beeindruckend bemalter, historischer Kassettendecke Altes und Neues zu probieren.

Besonders begeistert hat die "Mandelring Scheurebe Spätlese 2008".



In der Nase schon eine beeindruckende Frische, die man von einem halbtrockenen Wein mit rund 90g Restzucker gar nicht erwartet hätte, und fetten Aromen von Pampelmuse. Keine Spur von Süße. Der erste Eindruck am Gaumen ist dann auch eine angenehme Säure, die den Wein frisch und lebendig macht, sowie der zweite Eindruck sofort die Grapefruit wieder aufgreift. Der Fruchtgeschmack explodiert förmlich. Die gar nicht klebrige Restsüße sorgt dafür, dass der Wein noch lange im Mund in Erinnerung bleibt. Dieser Tropfen ist vielleicht nicht gerade ein "Zechwein", aber als Essensbegleiter ist er in jedem Fall eine Wucht. Am besten zu süß-saurem Asiatischen, Käse oder Nachtisch.

Und weil uns der Wein so gut gefallen hat, wurden davon gleich mal ein paar Flaschen für das heimische Ladenregal geordert. Wie übrigens auch vom Sauvignon Blanc, der Ende Mai eintrudeln sollte, und von dem es nur 120 Flaschen bei uns geben wird, da die Mengen rigoros zugeteilt werden.

Zwei Stündchen später dann Abfahrt aus Haardt weiter durch die Pfalz, weiter in den Süden. Nächste Station sollte das Weingut Stern sein, um Jungwinzertalent Dominic Stern zu treffen. So brachte uns das Navigationssystem sicher nach Hochstadt.





Was für ein herzlicher Empfang! Auch hier haben wir uns gleich, an der Brennblase



vorbei, in den Keller führen lassen, um die aktuellen Fassproben zu probieren. Man muss ja schließlich wissen, was man so demnächst wieder im Laden hat!



So viel Zeit wollten wir Dominic auch gar nicht stehlen, da er mitten in den Vorbereitungen (selber zum letzten Mal probieren) für die für's Wochenende geplante Abfüllung steckte.

Also, Abfahrt zur Endstation des Tages nach rund 200km durch deutsche Landen: das Seehaus Forelle Haeckenhaus in Ramsen.



Ein echter Geheimtipp übrigens, denn noch nicht mal der gemeine Pfälzer an sich hatte davon vorher schon einmal gehört. Entsprechend schwierig, weil inmitten eines dunklen Walds gelegen, war es auch zu finden. Da das Hotel mit einem gemütlichen Restaurant ausgestattet ist, dessen Spezialität (wen wundert's?) natürlich Forelle in diversen Varianten ist, konnten wir hier den Abend dann entsprechend besinnlich bei eben Forelle und Rehfilet ausklingen lassen - ohne jegliche Anbindung an das deutsche Vodafonenetz ..... das sollte sich in Baden am nächsten Tag aber, Gott sei Dank, ändern!

Fortsetzung folgt!

Fotos: Weinlounge Hamburg