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15. Juni 2010

Weinrallye #34 | Wein und Knabberei


Halbes Schwein auf Toast, Erdnussflips, Hors d'œuvre ....schoss es uns gleich durch den Kopf, als wir das Thema der Weinrallye #34 auf dem Winzerblog des diesmaligen Gastgebers und gleichzeitigen Initiators Thomas Lippert gelesen haben. "Wein und Knabberei" soll es nämlich heute sein.

Eins ist klar, man muss sich zuerst Gedanken über die Wahl der Speise machen, der passende Wein findet sich dann schon (fast) von selber. So kreisten die ersten Ideen in der Tat zunächst um Gemüse mit Dipp und belegte Schnittchen. Schlussendlich haben wir uns aber für etwas völlig anderes entschieden: "Grüner Spargel in knusprigem Speck mit weich gekochten Eiern"! Ein Rezept, das wir letztes Jahr in einem der zahlreichen Jamie Oliver Kochbücher entdeckt und schon oft auf den Tisch gebracht haben, weil es ist kinderleicht, äußerst
schmackhaft und ein großer Spaß zugleich.




Starten wir also zunächst mit dem Rezept, bevor wir uns dem passenden Wein widmen. Dieses gilt für 4 Personen, wobei man je nach Hunger die Anzahl der Spargelstangen pro Person natürlich variieren kann.



Zutaten

12 mittelgroße grüne Spargelstangen, das holzige Ende abgeschnitten
12 dünne Scheiben Pancetta oder durchwachsener Frühstücksspeck
Olivenöl
4 große Bio-Eier (L oder XL)
Meersalz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung
Den Ofen auf 220°C vorheizen. Die Spargelstangen mit dem Speck umwickeln, aber die Köpfe heraus gucken lassen. Nebeneinader in eine feuerfeste Form geben, mit ein wenig Olivenöl beträufeln und im Ofen 10 Minuten braten, bis der Speck gold-braun und knusprig ist. Sobald der Spargel im Ofen ist, machen Sie sich an die Eier, die Sie in kochendem und leicht gesalzenem Wasser 5 Minuten weich garen und anschließend kalt abschrecken. Von jedem Ei den Deckel abtrennen und in Eierbecher stellen. Pro Person 3 Spargelstangen servieren, die in das kräftig mit Salz & Pfeffer gewürzte Ei getunkt werden.

Bis hierher doch wirklich kinderleicht, oder?
Jetzt fehlt also nur noch der korrespondierende Wein. Wie anfangs schon erwähnt, macht es meist kaum Mühe, hat man das Essen erst einmal gefunden, den "richtigen" Weinbegleiter hinzuzufügen. In unserem Fall haben wir uns für einen unserer derzeitigen Lieblingswinzer entschieden: die Domaine Jean-Paul Schmitt aus dem Elsass!

An dieser Stelle sei in eigener Sache kurz erwähnt, dass es für uns eine große Herausforderung und nicht leicht zu bewältigende Aufgabe war, die Sortimentslücke mit Weinen aus dem Elsass zu schließen. Meist sind wir über überteuerte und trotzdem nur mittelmäßige Weine gestolpert oder über große Namen, die noch teurer und nicht zwangsläufig besser sind. Mit dem Weingut Jean-Paul Schmitt haben wir die, wenn es denn möglich wäre, mehr als perfekte Lösung dieses Problems gefunden! Braucht es vielleicht nur noch ein Quäntchen Mut des Kunden, sich unvoreingenommen an das Thema „Elsass“ heran zu wagen und dem Jungweinwahn einmal mehr nicht nachzugeben. Diese Weine brauchen einfach ihre Zeit in der Flasche, um sich entsprechend entwickelt perfekt im Glas präsentieren zu können! Deshalb wird 2008 auch der jüngste Jahrgang sein, der bei uns im Regal zum Liegen kommt.

Als Weinempfehlung zu unserer "Knabberei" haben wir uns das „Einstiegsmodell“ ausgesucht.

Das Weingut Jean-Paul Schmitt besitzt insgesamt 8 ha Rebfläche, die sich komplett an den Hängen der Lage „Rittersberg“ befinden. Monsieur Schmitt baut seine Reben seit 2009 ausschließlich biologisch zertifiziert an und stellt in diesem Jahr auf biodynamischen Weinbau um. Der Rittersberg Pinot Blanc Classique ist ein Paradebeispiel für einen Weißburgunder.
Glasklar und blitzsauber sind die richtigen Worte und sagen alles, was man über diesen trockenen, fruchtigen und mit dem typischen, frischen Apfelaroma versehenen Wein wissen muss. Die Säure ist fein balanciert und somit wird er zum perfekten Aufreißer für unseren im Ei versenkten Spargel.


Domaine Jean-Paul Schmitt
Rittersberg Pinot Blanc Classique AOC 2008
Elsass, Frankreich

0,75l für Euro 8,90 (1l=€11,87)





Fotos: Weinlounge Hamburg

18. April 2010

Weinrallye #32 | Pinot Noir oder auch Spätburgunder


Zugegebenermaßen, haben wir schon oft auf dem ein oder anderen Blog Einträge mit der Überschrift "Weinralley" gesehen und gelesen. Allerdings haben wir uns nie weiter mit dem Hintergrund auseinandergesetzt. Das war diesmal bei dem Thema #32 "Pinot Noir" anders. Dank "Einladung" via Facebook durch die diesmalige Themengastgeberin Iris Rutz-Rudel bekam die Aktion ein Gesicht (initiiert übrigens von Weinblogger Thomas Lippert) . Also, dachten wir sofort, klasse Sache, da machen wir jetzt auch endlich mal mit. Zumal das Thema, wie bei den ersten Blogbeiträgen schon zu lesen war, sich offensichtlich eh großer Beliebtheit erfreut.
So ist auch die Begeisterung unsererseits enorm, gehört der Spätburgunder zu einer unserer absoluten Lieblingsrebsorten.

Wir haben uns an dieser Stelle für einen Spätburgunder entschieden, der aus Kalifornien kommt, und keineswegs den Anspruch erfüllen möchte, einen deutschen oder französischen Spätburgunderstil zu imitieren. Der Wein stammt aus der Francis Coppola Winery in Geyserville im Napa Valley. Die Trauben allerdings sind in Mounterey County angesiedelt.

So ist der



Francis Ford Coppola Winery
Diamond Collection Silver Label
Pinot Noir 2006
Monterey County, Kalifornien

wie angedroht, kein Pinot Noir-Exemplar, das rank, schlank und elegant mit Finesse daherkommt. Er ist vielmehr ein kalifornisch, fülliges Kraftpaket, das mit erstaunlichem Volumen und Fruchtigkeit daherkommt.

In der Farbe unterscheidet er sich deutlich von den europäischen Kollegen, denn im Glas präsentiert er sich in einem dichten Granatrot mit violetten Reflexen. Die komplexe Farbe wird vor allem dadurch erreicht, dass die Trauben sofort nach der Ernte abgepresst und für 48 Stunden kalt mazeriert werden. Die Nase überzeugt dann mit einem ganzen Potpourri von Früchten wie schwarze Kirschen, Brombeeren und Himbeeren sowie einer Spur Rosenduft. Am Gaumen wird's dann weich und ebenfalls beerig mit dem gleichen Früchtekorb in gereifter Form. Ein Hauch von der für den Spätburgunder typischen Würze von Nelke und Süßholz findet sich zwar, ist aber eher wie zufällig eingebunden. Auch die Tannine reihen sich eher in die 2. Reihe ein, wenn sie auch von einem kurzen Ausbau in französischen Barriques stammen. Der Nachhall am Gaumen könnte zugegebenermaßen etwas länger sein, enttäuscht aber nicht all zu sehr.

Ganz sicher ist dieser Pinot Noir von Kultregisseur Francis Ford Coppola nicht das Nonplusultra, wenn man einen filigranen und zarten Spätburgunder sucht. Er ist aber für Einsteiger ein guter Beginner, gerade weil er eher etwas "schlichter" und verständlicher daher kommt und die Rebsorte Spätburgunder für, sagen wir, Umsteiger von anderen Roten leichter zugänglich macht.

Möchte man ihn als Essensbegleiter genießen, verträgt das "Silver Label" durchaus Kräftiges wie gegrillten Fisch oder Pastagerichte mit Pilzsugo oder einem klassischem Salade Niçoise.





Foto: Weinlounge Hamburg